Verfasst von: rebekkakiana | Dezember 17, 2016

Haiti- Hurrikan Matthew, 2 Monate später

Liebe Freunde, Verwandte, Bekannte- teilweise sogar liebe unbekannte Unterstützer! Erstmal möchte ich Euch von ganzem Herzen danken, dass Ihr den Beitrag zu den Folgen von Hurrikan Matthew gelesen habt- und dann, dass Ihr trotz der vielen anderen Spendenaufrufe, die Euch sicherlich auch gerade erreichen, Geld für Jonas, Mathilde und Papa Légé gespendet habt.

Insgesamt sind bis letzte Woche 2065 Euro zusammengekommen. In der Zwischenzeit hatte ich mitbekommen, dass Mathilde tatsächlich nur ein paar Kleintiere verloren  hat, Jonas Haus ziemlich beschädigt war (wie man auf den Bildern gut sehen konnte) und Papa Légé neben meiner Spendenaktion auch noch von einem anderen früheren Kollegen unterstützt wurde. Daher habe ich von Euren Spenden Ende Oktober Mathilde 100 Euro, Papa Légé 500 Euro und Jonas den größten Beitrag, 1200 Euro zukommen lassen. Papa Légé konnte sein kleines, früher sehr „naturnahes“  Haus nicht wieder aufbauen und hat ein neues, kleines Haus gebaut- mit Hilfe von früheren Mitarbeitern und Eurer Spende. Ich finde, es sieht richtig stabil aus und sollte den nächsten Hurrikan aushalten können.

Jonas wollte sein früheres Haus, dessen Fundament und einzelne Strukturen noch stabil waren, wieder aufbauen, es stand auf seinem Grundstück und er wollte es nun erdbeben- und hurrikansicher bauen- mit Hilfe von Handwerkern, die von unserer Organisation damals in genau dieser Bauweise ausgebildet wurden. Außerdem war sein Traum, aus dem Ein- Zimmer- Haus ein kleines Zimmer für seine Tochter Josmika abzuteilen, damit beide für sich auch etwas Privatsphäre haben konnten (bisher wohnten sie in einem Raum).

Da sein Haus größer war als das Haus von Papa Légé, brauchte er mehr Material. Leider sind die Preise für Baustoffe mit dem Hurrikan extrem in die Höhe gestiegen- die Unternehmer haben natürlich ihren Gewinn gewittert- und er konnte mit der Spende zwar gut anfangen und stabile Wände einbauen- es fehlt aber Geld für die Fertigstellung, besonders für das Dach.

Alle beiden sind Euch unglaublich dankbar. Jonas meldet sich jeden Tag und erzählt mir vom Vorankommen seines Baus- aber auch von den Schwierigkeiten, den horrenden Baustoffpreisen zu begegnen. Ich würde ihm gerne helfen, das Haus fertig zu bauen, so dass er und seine Tochter Josmika ins Neue Jahr mit einem Dach über dem Kopf rutschen können. Von den 2065 Euro sind nach der ersten Überweisung noch 265 Euro übrig (da auch nach den ersten Spenden noch letzte Woche Geld eingegangen sind). Ich  warte noch bis Ende der Woche und schicke ihm dann das Restgeld zu- wenn bis dahin noch von dem einen oder anderen eine weitere, oder eine erste Spende kommt- wäre das super!! Ihr könnt den Beitrag auch gerne weiterleiten- vielleicht möchte ja jemand kurz vor Weihnachten/ Jahresende noch etwas für „ein Dach über dem Kopf“ spenden. Hier ist nochmal meine Bankverbindung: Rebekka Toyka, Postbank Dortmund, IBAN DE69 4401 0046 0810 5784 60, BIC PBNKDEFF.

Sollten wir uns nicht mehr hören- so wünsche ich Euch allen eine entspannte Weihnachtszeit, viel Zeit mit den Menschen, die Ihr gerne um Euch habt- und hoffentlich etwas Schnee- zumindest für uns hier in Deutschland!

Liebe Grüsse aus Bonn- Rebekka

Verfasst von: rebekkakiana | Oktober 17, 2016

Haiti-und nun der Hurrikan

Liebe Freunde, Bekannte, Kollegen,

Ihr habt sicherlicher alle mitbekommen, dass  Anfang Oktober ein fürchterlicher Hurrikan auch über Haiti gezogen ist und dort riesige Verwüstungen angerichtet hat. Während meiner Zeit in Haiti habe ich zwei Hurrikans erlebt- sie hießen damals Sandy und Isaak- aber verglichen mit ihnen hatte es der diesjährige Matthew wirklich in sich. Man spricht von über fünfhundert Toten und zahlreichen Zerstörungen von Wohnraum und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Hier könnt Ihr auch aktuelle Information über die Situation in Haiti nachlesen (auf Englisch): http://reliefweb.int/report/haiti/iom-haiti-hurricane-matthew-sitrep-8-26-october-2016

Petit Goave, die Stadt, in der Kiana und ich eineinhalb Jahre gelebt haben, wurde ebenfalls von Matthew getroffen. Nach dem Erdbeben von 2010, das in Petit Goave viel Schaden angerichtet hat und durch das viele Menschen damals ihre Häuser verloren haben, wurden in Petit Goave auch jetzt wieder  Teile der Stadt zerstört. Die Familien, die ihren Wohnraum in abschüssigen Gegenden hatten, sind besonders von den Folgendes Hurrikants betroffen. Ihre häufig einfach gestalteten Hütten sind vom Sturm und dem folgenden Hochwasser einfach weggezogen worden. In Petit Goave sind besonders auch landwirtschaftliche Felder und Nutztiere in Mitleidenschaft gezogen wurden- ganze Ernten und Vorräte sind einfach weg und damit auch die Lebensgrundlage der sowieso schon armen Bevölkerung.

14732174_552837878253093_5895410234297159599_n

(Zerstörte Stadt Jeremie, südlich von Petit Goave)

14724653_552837901586424_539072015730438145_n

Zu den Menschen, deren Häuser beschädigt wurden, gehören auch einige der ehemaligen Wächter von Help, der Organisation für die ich damal gearbeitet habe, die aber seit einigen Monaten nicht mehr in Haiti tätig ist. Zu einigen Wächtern habe ich noch über facebook Kontakt- und natürlich zu unserer ehemaligen Nanny/Köchin/Freundin Mathilde. Mathilde geht es glücklicherweise vergleichsweise gut- ihr Haus hat keinen Schaden genommen, ihren Töchtern geht es gut aber ihre Hühner und Ziegen gibt es nicht mehr- sie haben den Sturm nicht überlebt. Kleine Nutztiere sind aber ein zusätzliches Einkommen, was bei ihr auch erstmal wegfällt.

Einige der Wächter jedoch, zu denen ich Kontakt habe, hatten kein Glück. Jonas zum Beispiel, Ende zwanzig, der durch das Erdbeben 2010 bereits seine junge Frau verloren hat und sich seitdem um seine Eltern und seine kleine Tochter allein kümmern muss. Er hat es nach dem Erdbeben peu à peu geschafft, durch seinen Job bei Help ein kleines Haus aufzubauen, seine Tochter einzuschulen und seine Eltern (die mittlerweile gestorben sind) mit über Wasser zu halten. Dafür hat er damals sein Studium aufgegeben. Durch den Hurrikan ist sein kleines Haus incl. sämtlichem Inventar wie Kleidung, Schulbüchern etc. so zerstört worden, dass er dort mit seiner Tochter nicht mehr wohnen kann. Er muss investieren, um es wieder wohntüchtig zu machen.

14713682_552837128253168_3789472942507342663_n

14716167_552837968253084_1607799287746525166_n

Das ist das Haus von Jonas. Er wohnt seit dem Hurrikan mit 15o anderen Familien in einem Nebengebäude der örtlichen Schule, der zusätzlich steigenden Choleragefahr ausgesetzt. Seine Tochter Josmika, die ein Jahr älter ist als Kiana, kann nicht zur Schule gehen, da all ihre Bücher und die Schuluniform weg sind. Er selbst ist einfach müde…und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Seine größte Angst ist es aber, Cholera zu bekommen.

Im selben Gebäude wohnt derzeit auch Papa Légé, einer der älteren Wächter von damals und eine gute Seele schlechthin. Er wohnte, als wir gerade in Haiti angekommen waren, in einem kleinen Zelt gegenüber unserem Wohnhaus.Zusammen mit seiner Frau und damals 5 Kindern im Alter von 3 Monaten bis 6 Jahre, wenn ich mich recht erinnere. Auch sein Haus war 2010 vom Erdbeben zerstört worden und auch er nutzte seinen Job bei Help damals in erster Linie, um Nahrung für seine Familie zu finden und für die älteren Kinder das Schulgeld bezahlen zu können. Er lebte mit seiner Familie in einem Verschlag auch Zeltplanen und Holzscheiten. Ich habe ihn immer nur positiv in die Welt schauend erlebt- immer ein Lächeln im Gesicht und ein Kind im Arm. Er war einfach eine Seele von Mensch und neben Jonas Kianas Lieblingswächter 🙂 Was sicher auch daran lag, dass er ihr immer leckere Mangos mitbrachte. Sein kleines ZeltHolzhaus wurde ebenfalls vom Hurrikan Matthew komplett zerstört, sie wurden ebenso davon überrascht und waren ebensowenig darauf vorbereitet wie die meisten Menschen aus Petit Goave. Papa Légé lebt seitdem mit seiner Familie ebenfalls in dem Schulgebäude, zusammen mit 150 anderen Familien, und harrt der Dinge, die da kommen- oder auch nicht. Laut Informationen einer Kollegin von heute, soll die SChule aber demnächst geräumt werden, damit die Studierenden wieder arbeiten könnten. Wo die Familien dann hingehen sollen, ist unklar.

Wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt, treibt mich diese Situation ganz schön um. Ich bin gedanklich viel in Haiti und möchte gerne den Menschen, die ich kannte und die mich während meiner Zeit dort so gut betreut haben, etwas zurückgeben. Es gibt viele Hilfsorganisationen, an die gespendet werden kann und bei denen Spenden auch gut aufgehoben sind. Ich möchte aber gerne direkter den Familien helfen, die ich persönlich kenne. Ich weiß, was schon kleine Beträge ausmachen und dass man sich mit 10 Euro wichtige Medikamente und Nahrungsmittel kaufen oder eine neue Schuluniform schneidern lassen kann, dass man 20-30 Euro braucht um für eine Großfamilie zumindest einen Satz Second- Hand Kleidung kaufen zu können oder die wichtigsten Kochkessel und Geschirr zum Kochen,  dass man aber etwas mehr braucht, um Zeltplanen oder anderes Material zum Bau von provisorischem Wohnraum zu beschaffen. Daher weiß ich auch, dass schon kleine Beträge helfen, den aktuellen Alltag ein klein wenig zu erleichtern- größere Beträge aber auch langfristig unterstützen können (Rehabilitierung von Wohnraum).

Da ich weiß, wie viele von Euch damals dazu beigetragen habt, Mathilde ein Abschiedsgeschenk zu machen, möchte ich euch jetzt noch einmal bitten, mich dabei zu unterstützen, den drei Familien kurzfristig zu helfen, mit den Folgen des Hurrikans Matthew klar zu kommen. Meine Idee ist das Geld zu sammeln und an jede der Familie anteilig zu überweisen. Ich habe zu allen Telefonkontakt, so dass das Geld problemlos überwiesen werden kann.

Wenn Ihr etwas spenden möchtest- und wie gesagt, 5 Euro sind wirklich schon hilfreich! – dann spendet bitte an meine Bankverbindung mit „HAITI“ als Betreff. Meine Bankverbindung ist hier: Rebekka Toyka, Postbank Dortmund, IBAN DE69 4401 0046 0810 5784 60, BIC PBNKDEFF.

Ich bedanke mich im Voraus bei Euch!

Liebe Grüße von Rebekka – in Bonn 🙂

Verfasst von: rebekkakiana | August 10, 2014

Ich bin dann mal hier…

Statt dem versprochenen Beitrag zu Nazareth und der Verkündigungskirche ( ich hatte auf ein Bild von Maja und mir in Schürze gewartet und als es kam, brach kurz danach der Konflikt in Gaza/Israel aus und damit bei mir die Unlust, jetzt über meinen lustigen Ausflug nach Nazareth zu berichten) – ein kurzes Update über mich: Ich bin dann mal hier heisst: Ich habe einen Job in Deutschland gefunden und zwar erstmal für 1,5 Jahre. Ab morgen werde ich für Malteser International in Köln arbeiten und zwar als Referentin für Asien und hier besonders für Pakistan.

Pakistan wird sicherlich anders als Kongo und Haiti 🙂 – bin also sehr gespannt! Die erste Dienstreise nach Pakistan ist für Anfang September geplant und danach erfahrt ihr dann mehr!

Das Tolle an der neuen Tätigkeit ist übrigens: es ist eine 32 Stunden Stelle, so dass mit Unterstützung von meiner Mutter und Freunden es dennoch möglich ist, Kiana regelmässig und nicht zu spät vom Kindergarten abzuholen und ich sogar meinem neuen Hobby, dem Kajak fahren auf dem Rhein, frönen kann!

Kiana findet es übrigens super, dass ich auf Dienstreise nach Pakistan fahre…sie wird dann wieder bei Omma verwöhnt und ausserdem spekuliert sie auf ein weiteres Paar Glitzerschuhe mit Absatz …die es mit Sicherheit dort zu kaufen gibt! 🙂

Ich freue mich sehr, euch demnächst mehr berichten zu können und verschwinde jetzt erstmal in meinem Bett!

Gute Nacht!

Rebekka

Verfasst von: rebekkakiana | Mai 13, 2014

Israel! 3 Stopp: Jerusalem

 

 

P1130887

Jerusalem…ich bin ja christlich/ katholisch erzogen worden und habe allein dadurch vielleicht schon eine etwas naiv verklärte Vorstellung von Orten wie Jerusalem, Bethlehem oder Nazareth…allerdings bin ich irgendwann auch desillusioniert worden und habe meinen eigenen Glauben, fern jeder Religion, entwickelt. Und trotzdem ist diese verklärte Vorstellung auf Orte mit biblischer Geschichte irgendwie geblieben…genau, geblieben. Jetzt- nach dieser Reise- ist da nichts Verklärtes mehr 🙂 Wer in den letzten Jahren in Jerusalem oder Nazareth war, wird es nachempfinden können. Für mich ist in jedem Fall klar, woher Monty Python ihre Ideen für den Film “ Das Leben des Brian“ gehabt haben müssen – und was für einen Spaß müssen die Dreharbeiten gemacht haben! 🙂

„Wieso wollt Ihr nach Jerusalem?“ fragte uns ein Tel Aviver, den wir in der Stadt kennengelernt hatten. „Seid Ihr Christen?Ach so- na dann…“ Ich glaube, ich habe mich nie vorher so bewusst als Christ ausgegeben- aber nun gut, ab nach Jerusalem- als Christ also 🙂

Jerusalem ist übrigens die Hauptstadt Israels. Palästinensische Organisationen beanspruchen Ostjerusalem ebenfalls als Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates. Sicher ist, dass gerade die Altstadt um Ostjerusalem herum wichtige religöse Stätten des Christentums, Judentums und des Islam beherbergt- und das allein das ausreicht, um immerwährende Krisen weiter zu entfachen. Hier gibt es die Al Aqsa Moschee und den Felsendom auf dem Tempelberg, von wo aus Mohammed seine Reise gen Himmel angetreten hat. Laut AT soll an dieser Stelle auch Abraham seinen Sohn Isaak geopfert haben wollen…Unterhalb des Tempelbergs ist die Klagemauer – eine religiöse Stätte des Judentums. Nicht unweit von Klagemauer und Felsendom beginnt die Via Dolorosa, der mögliche Kreuzweg Jesus, der bei der Grabeskirche endet….zwischendrin über 1000 Synagogen, 158 Kirchen und 73 Moscheen.

Maja und ich (unserer Meinung nach erprobte Reisende)  dachten uns: Ach, Zimmer reservieren? Nö- wir finden da sicherlich spontan was…:-) Ja, eine Woche nach Ostern, in DER Pilgerstadt das Landes…tolle Idee …Und trotzdem- dank eines netten Gesprächs mit Jack from the Juice, einem ansässigen Saftverkäufer, haben wir tatsächlich das vermutlich letzte freie Zimmer in Jerusalem gefunden, preislich okay und sogar mit Dachterrasse, direkt im armenischen Viertel, was heisst: mitten in der Altstadt. Besitzer des Hostels war übrigens ein Abkömmling einer der ältesten palästinensischen Familien überhaupt, mit israelischer ID…verheiratet, aber offen für eine Zweit- und Drittfrau!

P1130834

Als erstes wollten wir uns einen Überblick über die Stadt verschaffen und zwar vom Ölberg aus…also einmal quer durch die Basare der Altstadt, die neben Siebenarmigen- MiniaturLeuchtern, diamantenbesetzten Kreuzen in allen Grössen und vergoldeten Plastikmoscheen auch handgenähte Decken aus Indien, bemalte Kacheln aus dem Iran oder armenische Kunstgegenstände verkauften, ergänzt durch Plastikeimer, Bauchtanzkleider und Unmengen an Essen. Begleitet wurden wir an dem Tag von Hunderten von Pilgern…hauptsächlich Amerikanern, die sich am Start der Via Dolorosa in weisse lange Gewänder hüllten, die mit einer Schnur festgehalten wurden- vom kleinen Mädchen bis zum Greis- sich ein grosses Kreuz ergatterten (jeder aber nur eins) und dieses erstmal mit Küssen bedeckten, ehe sie den langen Weg zur Grabeskirche antraten. Auf der Via Dolorosa wurde dann an jeder Station gehalten und, inklusive Vorbeter, lauthals gebetet. Wir waren allein vom Weg durch die Altstadt bis zum Löwentor schon so durcheinander von diesen Eindrücken, dass wir froh waren den  Blick auf den Ölberg vor uns zu haben. Ich muss ja gestehen, dass ich mir den Ölberg ganz naiv als einen Berg vorgestellt hatte, auf dem ausser ein paar Olivenbäumen nicht wächst und auch sonst nichts vorhanden ist…Diese Vorstellung war schlagartig vorbei, denn drei grosse Wege fuhren hinauf- befahren mit dicken weissen Touristenbussen. Oben auf dem Berg gab es ein kleines arabisches Dorg- At Tur. Wir begannen also den Aufstieg und kamen als erstes am Garten Gethsemane vorbei – dem Ort, an dem Jesus in der Nacht vor seiner Kreuzigung gebetet haben soll.

P1130840

Hier wurden wir darüber informiert, dass auch diese Olivenbäume heilig seien und wir deswegen auch im Garten unsere Schultern bedeckt halten sollten…soso. Wir haben übrigens herausbekommen, dass die aktuellen Olivenbäume gerade mal 1000 Jahre alt sind und Jesus nicht unter DIESEN Bäumen gebetet haben kann- aber egal, Schulterschutz bleibt Schulterschutz… Während der Israelreise haben wir übrigens die unterschiedlichsten Regeln was Körperbedeckung und Respekt vor Heiligtümern angeht miterlebt- und vor allen Dingen viele „Aufpasser“ mitbekommen, die breit grinsend passende Tücher bereitgehalten haben, die natürlich immer gratis und mehrfach verwendbar waren…(Aussage des muslimischenTücherverteilers in der Verkündigungskirche in Nazareth).

Der Aufstieg auf den Ölberg ging dann weiter an einer ca. 3 Meter hohen Mauer, die noch zusätzlich mit Stacheldraht bestückt war- dahinter, das fanden wir nachher heraus- war ein grosser jüdischer Friedhof.

P1130842

Irgendwann kamen die ersten Häuser des Dorfes At-Tur und da standen wir dann: Mitten in einem kleinen arabischen Dorf, rechts von uns ging es zum Aussichtspunkt um auf Jerusalem schauen zu können, zu den Parkplätzen der vielen Touribusse und für uns war klar: Erstmal rein ins Dorf. Im Dorf trafen wir dann Eddy, der eigentlich Masir hiess- einen vom Touristengeschäft lebender Mann, der uns sein ganzes Leben erzählte um uns schliesslich den Rat zu geben, uns keine Mühe zu geben den israelisch- palästinensischen Konflikt zu verstehen- da würde man nur verrückt werden. Es sei kompliziert und damit sei eigentlich alles gesagt. Unser Spaziergang durch das Dorf war…beeindruckend. Von hier aus hat man nämlich einen  Blick auf die neue Mauer, die die Israelis gerade bauen…tja, um ihre Siedler, die illegal in palästinensischem Gebiet Häuser bauen, vor verärgerten Arabern zu schützen.

P1130844

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: 1949 wurde von der UN die berühmte GRÜNE LINIE bestätigt, die die Waffenstillstandslinien zwischen Israel und den benachbarten arabischen Ländern bezeichnet. Hier darf Israel nicht bauen. Israel hat aber 1967 im Sechstagekrieg Teile der Regionen erobert und annektiert. Laut Völkerrecht ist dies illegal, das ist Israel aber egal. Sie bauen dort fleissig Häuser, was die Araber dieser Gebiete natürlich verärgert, manche schmeissen aus Ärger mit Steinen gegen Häuser- was wohl nachvollziehbar ist. Um diese illegal gebauten Häuser also zu schützen vor Menschen, denen dieses Gebiet eigentlich gehört- baut Israel eine Mauer ….und vergrössert damit das eigene Staatsgebiert- illegal wohlgemerkt. Da sich aber die meisten Staaten nicht trauen, die Stimme gegen Israel zu erheben, haben die Palästinenser wenig Möglichkeit, Unterstützung zu finden. Uns hat der Blick von At-Tur auf dies Siedlungen und die Mauern sehr ernüchtert und als wir schliesslich am Aussichtspunkt angelangt waren,

P1130855

konnten wir nur wenig Verständnis für die Pilger aufbringen, die inbrünstig und gruppenweise Richtung Altstadt beteten…keinen von ihnen haben wir auf der anderen Seite des Ölbergs gesehen und uns gewünscht, dass einige von ihnen doch auch die Aktualität dieser Region in ihren Gebeten nicht ganz ausser Acht lassen.Trotz allem war der Blick auf die Jerusalemer Altstadt beeindruckend und es war schon berührend an Orten mit so -auch religiösgeschichtlicher -Bedeutung zu sein.

Auf unserem Rückweg ins Hotel nahmen wir dieses Mal den Weg durch das arabische Viertel

P1130836

P1130879

um uns dann noch die Grabeskirche anschauen- die letzte Station des Kreuzweges und der Ort der Kreuzigung und des Grabes Jesus. Laut unserem hervorragend sarkastischem Reiseführer Reise Know-How war der angeblich touristenfreieste Zeitpunkt gegen viertel vor sechs abends…genau unser Zeitpunkt. Wusstet Ihr, dass sich sechs christliche Konfessionen die Benutzung der Kirche teilen? Es scheint da einen genauen Zeitplan zu geben, wann wer predigen darf….und bis heute sind Rangeleien zwischen den unterschiedlichen Priestern an der Tagesordnung- wie wir auch selbst miterleben durften…Übrigens: Um den Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Konfessionen Herr zu werden ist der Schlüssel unter muslimischer Hand. Familie Nusseibeh bewahrt bereits seit Jahrhunderten den Schlüssel der Kirche auf- und Familie Joudeh schliesst die Türen morgens auf und abends zu.Toll- oder?

Zunächst aber betraten wir die Kirche und standen direkt vor dem Salbungsstein….dieser Stein liegt schon SEHR lange dort und wurde sicherlich schon von vielen Mündern berührt…das ist den Pilgern aber egal….die Gläubigen standen Schlange um sich schliesslich auf Knien vor dem Salbungsstein niederzulassen und ihn weinend zu küssen…(ich hoffe, dass irgendwo in der Nähe ein Marktverkäufer die Marktlücke entdeckt hat und ein Anti-Herpes-Mittel verkauft!). Nach kurzer Zeit schon kam eine katholische Prozession die Treppe hinunter, gefolgt von Gästen dieser Zeremonie. Es war sehr schon besinnlich- ruhig- nur wenig Weihrauch und als dann ein wunderschönes Orgelspiel einsetzte wurde es mir auch ganz warm ums Herz…Die Prozession ging dann weiter Richtung Golgotafelsen – der Ort an dem Jesu ans Kreuz genagelt worden sein soll- vor dem der Kreuznagelungsaltar steht (der Altar heisst wirklich so). Und hier war es dann vorbei mit der Beschaulichkeit, denn es war mittlerweile zehn vor sechs und ab sechs gehörte diese Stelle den russisch- orthodoxen. Plötzlich störte nämlich ein energischer Priester in schwarzem Gewand mit Hut und langem Bart die Zeremonie in dem er wild gestikulierend auf seine Armbanduhr zeigte und den katholischen Priestern zurief: In 10 Minutes you go out!! Ich konnte es nicht fassen- aber das Schauspiel ging weiter. Nach fünf Minuten hatte der Russisch- Orthodoxe genug (dabei hatten die Katholiken noch 5 Minuten) und griff mit einem grossen Schritt und und ausladenden Armen ein: NOW YOU GO OUT- IT IS NEARLY SIX!!!!! GO OUT! GO OUT!!! Und als hätten sie keine Wahl verbeugten sich die Priester vor dem Altar und gingen weiter in ein Nebenschiff, wo sie dann in Ruhe (bis sechs Uhr) weiterbeteten- gefolgt von ihren Gläubigen…Die Russisch Orthodoxen aber eilten jetzt geschäftig hin und her um diesen Bereich mit Polizeigittern abzusperren- wie wurden immer wieder verjagt GO OUT GO OUT! – nur um zu sehen dass die Gitter ständig hin und her geschoben wurden- immer wieder von anderen da sich anscheinend niemand sicher war, wie und wo nun abgesperrt werden sollte….und wieso überhaupt? Das erfuhren wir dann auch: der bulgarische Bischof war angekündigt…und erschien dann 30 Minuten später, um ebenfalls vor dem Kreuznagelungsaltar zu beten…

P1130865

P1130867

Es war ein Schauspiel und als wir die Kirche verliessen war unser Kopf voll von religiösen oder pseudo-religösen Bildern…Wir wollten nur noch etwas essen und fanden uns deswegen kurze Zeit später in einem armenischen Restaurant wieder (Info: Genau wie die Juden sind die grösstenteils armenischen Christen Anfang des 20Jahrhundert vor dem von den Türken ausgeübten Völkermord geflohen.Viele von ihnen sind nach Jerusalem gekommen).

Nach einem köstlichen Essen war uns nach Bier – was schwierig war, da sich die Altstadt von Touristen entleerte und die offenen Bars jüdische oder muslimische waren und einfach keinen Alkohol ausschenkten. In einer kleinen Gasse fanden wir dann einen Kühlschrank mit Bier -Bier aus Ramallah. Der Besitzer der Kneipe war christlicher Araber auch Jordanien mit israelischem Pass…wir waren verwirrt und hatten eigentlich kaum noch Platz für Verwirrungen 🙂 Das Bier war herrlich und wir setzten uns auf einen kleinen Platz am Jaffator und schauten dem abendlichen Treiben zu. Und das war besser als fernsehen. Die Touris waren weg und jetzt ging es los zum Beten. Sämtliche Juden Ostjerusalems gingen eifrigen Schrittes zur Klagemauer um das Abendgebet zu beten.

P1130875

An uns vorbei liefen hauptsächlich sehr gläubige Juden und zwar in voller Montur: Hut, Locken, langer schwarzer Mantel der mit einer Schnur gehalten wurde, darunter eine Gebetsweste, die rechts und links weisse Schnüre herunterfallen liess, schwarze Hosen und Schuhe…die Frauen  trugen knöchellange Röcke und dicke Strumpfhosen in flachen Schuhen, die Haare wurden entweder unter einem Kopftuch versteckt oder unter einer Perücke! Ja – Perücke. Davon haben wir drei Versionen gesehen, aber die gängige war eine sehr langweilige halblange braune Perücke…Man trägt sie, weil die Haare als etwas Besonderes angesehen werden, die nach der Heirat nur der Ehemann sehen darf. Nach einer halben Stunde waren wir ermattet, warfen unser Bier in einen Abfalleimer und dachten uns, dass jetzt,um 22 Uhr,sicherlich nichts mehr passieren kann- aber da drehten wir uns um und liefen in eine Gruppe russisch orthodoxer Christen hinein, die laut betend durch die Altstadt zogen…Wir wollten nur noch ins Hostel und wurden dort schliesslich von einem nette Rezeptionisten begrüsst – Ahmed. Ahmed wiederum ist ein Abkömmling der marokkanischen Königsfamilie, seine Familie lebt aber schon immer in  Jordanien. Er selbst ist muslimischer Araber, in Jerusalem geboren und hat eine israelische ID…ja. Die Vielfalt der nationalen Identitäten ist in Israel schier unendlich…Und dann- begannen die Kirchenglocken zu läuten und mitten hinein sang der Muezzin….was für eine Stadt!

Im nächsten Teil gehts nach Nazareth!

 

Gute Nacht- Rebekka

 

 

 

Verfasst von: rebekkakiana | Mai 8, 2014

Israel! 2 Stopp: Tel Aviv

telavivblick von jaffo

Um Tel Aviv wirklich zu beschreiben braucht es mehr als die paar Tage die wir dort verbracht haben- das war mir bereits nach dem ersten Tag klar- Eine Überraschung folgte der nächsten- und das galt ab da für das gesamte Land. Wenn wir dachten: So- jetzt reicht es…mehr Eindrücke gehen für heute nicht mehr in unsere Köpfe hinein….da trabte der nächste Pilger um die Ecke ( in Jerusalem) und erlaubte unserem Gehirn keine Pause.

Hier jetzt, stichpunktartig, die ersten Eindrücke aus Tel Aviv:

Gelassenheit: Im Shlomis Wohnort Giv´atajim gibt es viele Menschen mit vielen Autos und  wenig Parkplätze. Was wird gemacht? Jeder kann den anderen zuparken- muss aber einen Zettel mit seiner Telefonnummer sichtbar ins Auto legen und darf ab 7 Uhr morgens angerufen und zum Wegfahren des Autos aus dem Haus gerufen werden. Toll, oder?

Nette und blöde Busfahrer: Shlomi hatte uns bereits darauf hingewiesen, dass alles in Tel Aviv entweder SChwarz oder Weiss sei- Graustufen gäbe es eigentlich keine. Das haben wir direkt bei unserer ersten Busfahrt erfahren. Der Bus, auf den wir uns vier anderen Passagiere (Israelis) warteten, fuhr einfach an der Haltestelle vorbei. Unsere Köpfe drehten sich überraschend in Fahrtrichtung und wir alle liefen los, als der Bus an der nächsten roten Ampel anhielt und Fahrgäste ausstiegen…Eine Dame vor mir fragte den Busfahrer, ob wir einsteigen dürften worauf der grimmig anwortete (es wurde uns nachher übersetzt): Meinst du ich stehe hier aus Spass?? 🙂 Das Gegenstück dazu fanden wir einen Tag später, als wir einen Busfahrer nach einer bestimmten Buslinie und Haltestelle fragten. Er brachte uns zu Fuss zu einem Kollegen der uns kostenlos ein paar Stationen mitnahm um uns in die richtige Richtung zu bringen…SchwarzWeiss…

Elektrofahrräder: Die Elektrofahrräder müssen in Israel erfunden worden sein. Oder in Tel Aviv. Zumindest fährt gefühlt jeder zweite Tel Aviver ein Elektrofahrrad. Nicht, dass diese Stadt hügelig wäre- im Gegenteil. Aber Elektrofahrräder und Elektroroller scheinen zum Alltag dazuzugehören wie bei uns…BrötchenkaufenSonntagMorgens oder den SpiegelImAbo. Jeder fährt sie- selbst kleine Kinder habe ich nicht auf normalen Fahrrädern fahren sehen sondern auf Elektrorädern und Rollern…laut Shlomi, der natürlich der Duden für den israelischen Alltag war, ist dies die günstigere Alternative zu Mopeds…aha. Wer sich also kein Moped leisten kann, fährt Elektrorad- oder Roller. Ist ja ganz einfach. Ansehen tut man es den ausgesprochen attraktiven Tel Avivern nicht, dass sie sich eher bewegungslos auf diesen Rädern bewegen…so wenig fettleibige Menschen wie dort habe ich in noch keiner anderen Stadt gesehen. Und so viele gutaussehende auch noch nicht.

Gutaussehende Menschen: Ja…die gibt es in Tel Aviv zuhauf. Das müssen die Mischungen der unterschiedlichen Nationalitäten machen…Männer wie Frauen sind einfach ausgesprochen hübsch anzusehen. Das schönste Merkmal, das sehr häufig auftritt und beim Ansehen fast wehtut so schön ist es, sind die hellgrünen oder hellblauen Augen in einem Gesicht mit dunklen Haaren und leicht olivefarbenem Teint…dazu kommt die freundliche Verbindlichkeit, dass dir immer direkt und sehr freundlich in die Augen geschaut wird (natürlich nicht seitens der Orthodoxen, aber dazu später, sie schauten eher die auf die Füsse…). Und was mir als Verfechterin der männlichen Körperbehaarung sofort aufgefallen ist: Hier lassen sich die Männer ihre Haare stehen. Ich finde ja die immer weiter in Mode kommende Haar-Rasur bei Männern nicht schön- wieso müssen sie sich ihre wenigen Brusthaare abrasieren – und wieso um Himmels Willen die Beinhaare auch? Es ist doch nicht jeder Fahrradprofi…Und anscheinend duschen unsere Männer auch nicht, so dass auch die Achselhaare und ja jetzt auch die Schamhaare  weg müssen…Ich habe zwar keine israelischen Schamhaare zu Gesicht bekommen- aber sowohl an den Achsel- als auch an Brust und Beinen waren alles noch dran. Und das ist einfach sexy. Wo soll man sich denn sonst auch noch festkraulen?

StadtStrand: Eine Stadt mit Strand- das ist zum Träumen- und genauso ist das in Tel Aviv. Eine wunderbar quirrlige Stadt mit Menschen aus aller Herren Länder, die sich abends zwischen Stadtcafés und Strandkneipen verteilen und die am mit ihren zahlreichen Kitesurfern ein perfektes Sonnenuntergangsbild abgibt.

kitesurferessensonnenunterang

Eine Stadt mit komplett durcheinander gewirbelter Architektur (eigentlich entstanden ist Tel Aviv 1909, als Grundstücke an 60 Menschen verlost wurden und das grosse Bauen begann. Damals hiess es, man dürfe nur Häuser mit Gärten bauen, keine Geschäfte, da das Geschäftszentrum in Jaffa, der nahegelegenen wunderschönen Hafenstadt bleiben sollte. Das  blieb, bis auf einen kleinen Minikiosk, lange so.) 1930 wurden ca. 4000 Häuser im Bauhaus-Stil gebaut,die heute auch zum Unesco- Weltkulturerbe gehören und der Stadt ein wunderschönes Aussehen verleihen. Ansonsten waren allerhand Architekten am Werk, die von Plattenbauten bis hochfuturistischen Gebäuden alles im Angebot hatten und ausprobierten.

hochhäuser4

hochhaus6

DreiHochhäuser

hochäuser3

bauhaus1

bauhaus2

Trotzdem ist drumherum viel Grün geblieben, überall Kinderspielplätze, überall Cafés und Kneipen, FrischerObsaftverkäufer an jeder Ecke

obsttsände

und Kinderwagenschiebende Väter. Ein weiterer Pluspunkt übrigens: Homosexuelle sind ein gängiges Bild in Tel Aviv und in keiner anderen Stadt habe ich diesen selbstverständlichen Umgang mit dem Anders-Sein erlebt wie in Tel Aviv. Keiner schaut hin, wenn zwei Frauen Hand in Hand durch die Stadt gehen oder wenn sich zwei Männer umarmen- es ist normal und das hat gut getan. Denn ich glaube, dass sich Toleranz auch in anderen Bereichen fortführen lässt – die Politik aussen vor gelassen, das ist ein anderes Thema. Aber im Alltag war dieser offene angenehme Umgang immer zu beobachten.

Flohmarkt: In Jaffo,

jaffo

dem ältesten Stadtviertel von Tel Aviv- älteste Hafenstadt der Welt wohl…gibt es übrigens ein paar Strassen, die tägliche Flohmarktstrassen sind…es ist herrlich, dort durchzuschlendern! Antik oder Kram- hier wird alles in Läden oder auf den Bürgersteigen verkauft und die Stimmung ist wunderbar! Hier habe ich übrigens das erste von Kianas WunschMitbringseln erstanden- eine goldene Handtasche!

goldene tasche

Essen und Trinken- oder Humus und Saft. Oder Humus und Kaffee….oder frisches Gemüse, tausend verschiedene kleine Salatschälchen und Obst und Fisch und Kaffee und Saft und Humus und Fladenbrot und und und. LECKER! 🙂 In Jaffo übrigens gibt den weltbesten Humus- bei Abu Hassan- ja, das stimmt…mir fehlt er jetzt schon!

So – das war ein Kurzdurchlauf durch die tolle Stadt Tel Aviv- ich könnte viel viel mehr erzählen- mein Tipp:Fliegt selbst hin- es ist einmalig!

Im nächsten Teil gehts um Jerusalem- der Stadt des religiösen Konsumwahnsinns!

Liebe Grüsse – Rebekka

 

Verfasst von: rebekkakiana | Mai 8, 2014

Israel! 1 Stopp: Istanbul…

Israel  -womit fange ich an? Mir fallen alle möglichen Sätze ein, die diesen Beitrag beginnen könnten und irgendwie wird keiner so richtig dem gerecht, was ich an Israel so erlebt habe.

Vorab aber: Dies war der erste Urlaub OHNE Kiana – und das an sich war eine Probe für mich, die ich auch nicht ganz bestanden habe. Aber dazu später. Die Reise nach Israel haben meine Freundin Maja und ich bereits im Oktober gebucht (Maja übrigens: Meine Freundin,die mich bereits nach Haiti begleitet hat und mit der wir in Kuba gemeinsam Urlaub gemacht haben)  – wir wollten unserem gemeinsamen Freund Shlomi besuchen, der Ende 2012 seine jahrzehntealten Zelte in Deutschland abgebrochen und nach Tel Aviv, seiner Geburtstadt, zurückgegangen ist. Zu sehen wie er dort lebt, wie es ihm geht und um das Land einfach mal kennenzulernen- das war unser Ziel. Und da das mit vielen Fusswegen vereint war – haben wir uns für einen reinen Erwachsenen-Urlaub entschieden. Kiana hatte zwei Wochen Urlaub bei ihrer Omma worauf sich beide gefreut haben – und wir flogen los.

Wir hatten übrigens einen Flug mit Pegasus (Betonung auf dem U und die beiden S werden ordentlich scharf ausgesprochen- also ungefähr so: PegaSSUSS)- Airline gebucht. Das war damals etwas günstiger und auch wenn der Weg bekanntlich das Ziel sein soll so weiss ich heute- bzw. seit diesem Flug: Das war das erste und das letzte Mal mit dieser Airline. Ich wollte diese Geschichte eigentlich unter „Sonstiges“ verschwinden lassen- aber sie lässt mich nicht los und so wird sie der erste Eintrag. Der Flug war Bonn- Istanbul-Tel Aviv. Maja flog von Berlin aus und wir wollten uns in Istanbul treffen um dann gemeinsam weiter zu fliegen. Bei meiner Ankunft am KölnBonner Flughafen war schon klar, dass der Flieger 45 Min Verspätung hatte und ich damit Gefahr liefe meinen Anschlussflieger in Istanbul zu verpassen. Ich am CheckInSchalter: Bekomme ich den Anschluss denn noch? PegaSSUSS: Das weiss ich nicht. Ich: Wer weiss das denn? PegaSSUSS: Das weiss ich nicht, aber wir wissen das hier nicht. Ich: Ah ja. PegaSSUSS: Ja, da müssen Sie sich jetzt entscheiden. Ich: Was denn entscheiden? PegaSSUSS: Ob Sie fliegen oder nicht…Ähem, ja….Zu dem Zeitpunkt wusste PegaSSUSS übrigens schon, dass es meinen Anschlussflieger in Istanbul gar nicht mehr gab, weil der bereits ein paar Stunden zuvor storniert worden war, aber das wusste ich ja noch nicht…:-) Dann im Flieger dieselbe Frage nochmal, dieses Mal die Antwort von PegaSSUSS: Ja klar, Sie kriegen den Flieger noch (der ja bekannterweise gar nicht mehr flog)- alle kriegen ihre Flieger. Unten an der Treppe steht eine Kollegin und die führt sie an der Hand zum Flieger- der wartet auf Sie. Na- da war ich gespannt.

Es wartete natürlich niemand unten an der Treppe und gemeinsam mit den anderen Fluggästen fuhr ich dann im Bus zum CheckIn- Schalter (man musste  für die Anschlussflüge nochmal extra einchecken). Ab hier gab es übrigens auch kein Englisch mehr…Ich stehe am Check In Schalter und bekomme von der Dame meine Boarding Card in die Hand gedrückt….schaue auf die Abflugzeit und da steht: 2Uhr 55 (statt 19:55…) Keine Nachfrage wurde beantwortet, da ja leider niemand von PegaSSUSS, einmal am Istanbuler Flughafen angekommen, eine andere Sprache als Türkisch sprach…Die einzige Auskunft, die wir noch bekamen als wir nach Essensgutscheinen gefragt haben war: Wait for the supervisor, he will come in 5 Minutes…es verwundert sicher niemanden, dass es keinen Supervisor gab und dass auch diese Zeitangabe rein fiktiv war…Wir waren jedoch gewillt, diesem ersten Urlaubstag etwas Gutes abzugewinnen und erstmal ein EFES- Bier zu trinken, was sich als schlechte Wahl am Flughafen heraustellte…eine kleine Falsche: 7 Euro…Glücklicherweise ist Maja Raucherin und wir haben uns erstmal nach draussen begeben um zu erfahren, dass wir nicht am richtigen Istanbuler- Flughafen waren ( der uns ja immerhin eine PartyNacht in Istanbul beschert hätte) sondern am türkischen Frankfurt Hahn…und dass es ausser diesem Flughafengebäude ringsherum nur ein grosses NICHTS gab….Vor diesem Nichts allerdings stand ein kleines dreckig aussehendes Kiosk in dem die Busfahrer verschwanden- und aus gutem Grund…dort gab es die grössere Dose Bier für nur 4 Euro! 🙂 Wir wurden in dieser Nacht Stammgäste, machten Bekanntschaft mit Mehmet, dem Bierflaschenherausgeber der uns bereits die zweite Dose nur für die Hälfte verkaufte und so wurde unser ungewünschter Istanbul-Flughafen- Aufenthalt immerhin etwas entspannter.

Flughafenbier

Glücklicherweise hatten wir zwischendurch Kontakt mit Shlomi, der uns bat, aufgrund der Kontrollen im TelAviver Flughafen nicht zu sehr in die Flasche zu schauen- ein LiHaim (Prost!) käme unter Umständen nicht so gut an…:-) Wir haben uns also kontrolliert und flogen dann gegen drei Uhr morgen Israel entgegen- um dann um 5 Shlomi in die Arme zu fallen, dessen Augen ungefähr genauso klein waren wie unsere…

Angekommen in Giv`atjim, dem Wohnort von Shlomi und Vorort von Tel Aviv, gab es erstmal Sonne und Wärme pur und den berühmten Shlomi- Kaffee: ein Löffel Kaffee im Glas mit einem Löffel Zucker und etwa Milch, kochendes Wasser drüber, drei Minuten warten und dann …Hmmmmm…der Tag konnte neu beginnen! 🙂

Davon dann im nächsten Teil! Bis dahin- Eure Rebekka

 

Verfasst von: rebekkakiana | Februar 26, 2014

Gestern, Mitternacht….oder: Einmal pinkeln, 25 Euro bitte!

Gestern war mal wieder so eine Typisch-Rebekka Nacht…Gegen Mitternacht kommt Kiana in mein Bett, um bei mir  weiter zu schlafen. Ich schaue noch einen Film zu Ende, mache dann das Licht aus und schlafe gerade fast ein, als ich ein würgendes Geräusch von draussen höre.

Zur Erinnerung: ich wohne in der Altstadt, Erdgeschoss und sollte vermutlich allein deshalb schon an nächtliche Würgegeräusche gewöhnt sein. Bin ich aber nicht und es wiederholte sich auch. Es war so nah und so stark dass ich davon aus meinem Halbschlaf erwachte, Kiana gleich mit – die Rolladen hoch zog und sah, wie sich ein Mann hingebungsvoll direkt auf unser Eingangsmäuerchen übergab. Kotzte- wie Kiana direkt feststellte. Er war umgeben von zwei Freunden, die ihm dabei assistierten. Ich fands einfach nur unhöflich, eklig, Scheisse – riss mein Fenster aus, nahm in Kauf mit meinem verstrubbelten Haaren wie eine Furie ausgelacht zu werden und fragte ihn ganz in Ruhe, wie er das denn gedenke gleich wieder wegzumachen. „Äh…mim Eimer Wasser….“ Ich wurde etwas sauer und seine Bekannten dann “ Es war ja jetzt nicht geplant dass ihm schlecht werden würde…äh…wir machen das gleich sauber.“ Klar. Ich sah mich schon am Morgen mit dem Wasserschlauch hantieren. Plötztlich drehen die drei sich um, rennen schnell zu einem Auto und fahren weg…OHNE Wiedergutmachung natürlich- war auch ein naiver Gedanke von mir. Da ich mir aber in der Schnelle dank einer Laterne  das Nummernschild merken konnte, rief ich bei der Polizei an- Kiana war mittlerweile auch wieder hellwach und sagte mit Stirnrunzeln immer wieder: Mann, so ein Dreckskerl! Kotzt der einfach vor unsere Haustür! Ich bin sauer! Was machen wir denn jetzt? 🙂

Wieso ich bei der Polizei anrief? Ich wollte,dass dieser unhöfliche Kerl geschnappt wird- hinter Gitter kommt und die nächsten Tage sämtliche nächtliche Entledigungen in Bonn säubern muss! 🙂

Der Polizist, den ich schliesslich an der Strippe hatte, war der Typ alteingesessener Bonner, geduldig zuhörend, tiefes Verständnis zeigend und vor allen Dingen- in Redelaune. Er nahm das Kennzeichen auf mir erklärend, dass es aber nichts bringen würde, da die Jungs aus Ahrweiler kämen und das Auto außerdem anscheinend auf einen ihrer Väter zugelassen sei (Jahrgang 61). Wegputzen müssten wir Hausbewohner es selbst, es sei denn, es wäre auf dem Gehweg gelandet, dann könnte man die Stadtreinigung rufen lassen….hm…ich stellte mir schon vor, wie ich am morgen versuchen würde, diese „Sache“ von der Mauer auf den Gehweg zu verschieben. Wenn er aber zumindest noch GEPINKELT hätte….dann sähe das anders aus…

Ja 🙂 Denn, so erklärte mir der nette Polizist, Pinkeln in der Öffentlichkeit stehe unter Geldstrafe! Wenn ein Mann (oder auch eine Frau) dabei erwischt wird, an einen Bonner Laternenpfahl zu pinkeln- werden 25 Euro fällig! Bei der Ersttat!! Jedes weitere Urinieren verdoppelt die Strafe – stellt euch das mal vor! Ich war natürlich hochentzückt und erzählte ihm direkt vom Freiurinieren in Haiti 🙂

Ja- so endete das Gespräch sehr amüsant und wir beide bedankten uns herzlich beieinander für das neu erlangte Wissen auf beiden Seiten.

Heute Nacht übrigens hat es dann geregnet…das war ein Segen- wie ihr euch vorstellen könnt. Kiana suchte noch nach Zeichen- aber es war nichts mehr zu finden. Ob es nun der Regen war oder ein frühaufgestandener Nachbar…wir wissen es nicht.

Das kulinarische Highlight des gestrigen Tages war übrigens – mal wieder – das Eis aus dem Eislabor. http://www.eislabor.info/html/aktuelles.html

Dieses Mal eine noch unbekannte Sorte für meine Geschmacksnerven: Schokoladensorbet mit Orange….und als zweite Kugel Karamell.

Es war, schlicht gesagt, der HAMMER! Das Eislabor schafft es ja grundsätzlich fast immer, meine Geschmacksnerven zum Vibrieren zu bringen- aber diese Sorten waren mal wieder eine eindrucksvolles Erlebnis. Probiert es aus- ihr habt das Gefühl in ein Stück Zartbitterschokolade mit Orange zu beissen- nur noch besser. Und Karamell – hm…ich mochte nie Karamell, aber da man dort auch probieren kann war ich überzeugt- besser als ein Werthers- Echte- Bonbon, man spürt die Karamellkristialle am Gaumen, es war unglaublich! Also- geniesst den beginnenden Frühling mit einem Ausflug ins Eislabor! Wir könnten uns auch verabreden und gemeinsam hingehen…oder ihr bestellt und es wird hierhin geliefert…hm 🙂

So- jetzt wünsche ich euch einen guten Tag!

Beste Grüsse,

Rebekka

Verfasst von: rebekkakiana | Februar 24, 2014

Heimat – Kiana

Jetzt sind wir schon einen Monat hier …wie geht es uns?

Ich fange mal mit Kiana an, das ist irgendwie einfacher: Sie konnte ab unserer zweiten Woche in den Kindergarten gehen – da hier die Eingewöhnung etwas langsamer ist als die „Jetzt lass dein Kind mal weinen“- Eingewöhnung in Haiti durfte sie bis zwölf Uhr mittags bleiben…was Kiana als Genuss- Esserin ziemlich blöd fand, da sie gehen musste, als die anderen Kinder mit dem Essen anfingen. Entsprechend hat sie sich dann gefreut, als sie in der zweiten Woche bis halb drei bleiben durfte- um dort zu essen und zu schlafen. Aber auch hier habe ich sie für ihren Geschmack einfach zu früh abgeholt- aber es ist so vorgesehen in der zweiten Woche. Sie schickte mich eigentlich regelmässig wieder raus, um noch ein Spiel fertig zu machen oder eine Rolle zu Ende zu spielen…Mittlerweile hat sich viertel nach drei als beste Zeit eingespielt…:-) Der Unterschied zum Kindergarten in Petit Goave ist schon frappierend. Um es mit Kianas Worten zu sagen: Hier wird ja nur gespielt! 🙂 Ich denke, es gefälltihr  hier- die Kindergärterninnen sind von ihr und ihrer Anpassungs- und Auffassungsgabe begeistert, sie selbst fühlt sich sehr wohl und würde am liebsten schon mehrere Mädchen zum Spielen mit nach Hause nehmen. Interessante Anekdoten gab es auch schon seitens der Kindergärtnerin die erzählte, dass Kiana von sich aus vor dem Essen zum Händewaschen geht und dann mit noch nassen Händen zurückkehrt, um sie ihr zu zeigen und so zu beweisen, dass sie sich wirklich die Hänge gewaschen hatte. Als ich ihr dann von Cholera und Typhus erzählte habte, verstand sie auch den Hintergrund 🙂

Ansonsten sind die Wochenenden von Kianas bisherigen Lieblingsaktivitäten außerhalb der Wohnung geprägt: Eis essen im Eislabor, das wunderbarerweise am Wochenende geöffnet hat- dem Ausprobieren sämtlicher Spielplätze in der Gegend und von Spaziergängen am Rhein, um das relativ saubere und ungestörte Spazierengehen mal wieder zu geniessen:

Kiana eisessen

 

spaziergang am rhein

Besonders toll war der erste Friseurbesuch beim Altstadtfriseur Bracklow. Ich habe zwar auch hier noch nachgeschnitten, aber die Unlust auf den Friseur war vorbei – kein Wunder bei diesem Friseur, der Kiana mit Prinzessinenbüchern, Lollis und Lockenwicklern bezirzt hat!

Friseur Kiana

Vermisst Kiana Haiti? Ich kann es nicht genau sagen. In den ersten zwei Wochen flossen ab und zu ein paar Tränen und sie sagte, dass sie zurückwollte. Sie sagt auch bis heute, dass sie zwei ZuHauses hat- hier in Bonn und in Haiti. Und das ist schön und entspricht absolut auch meinem Gefühl. Allerdings denke ich, dass sie sich sehr auf die Gegenwart hier einlässt- und das Herumlaufen geniesst, ohne angefasst oder als Fremde Fremde angerufen zu werden. Sie liebt ihre Omma und möchte am liebsten jeden Tag mit ihr verbringen – kein Wunder, da die tolle Omma ausdauernd den ganzen Tag lang Kianas Lieblings- Märchen-Rollenspiele mitspielt, Aschenputtel Dornröschen und Rapunzel in fliegendem Rollenwechsel. Sie geniesst es in ihrem Kinderzimmer zu sein und weigert sich auch zunächst immer, wenn wir mal am Wochenende woanders hinfahren wollen. Bilder von Haiti will sie sich keine anschauen, obwohl ich ihr extra ein kleines Photoalbum von ihren Freundinnen zusammengestellt habe – sie hat es kein Mal angerührt. Sie redet von ihren Freundinnen hier – und von Erlebnissen, die sie im Sommer bei unserem Urlaub mit ihnen bereits gehabt hat. Ich glaube, sie macht das ganz gut. Konzentriert sich auf die Gegenwart und lebt diese ganz intensiv. Und doch bringt sie Haiti immer wieder mit ins Gespräch- aber eher wie eine dazugehörige Welt, die aber jetzt im Moment nicht aktuell ist.

Das hat sie mir voraus- ich merke, dass ich selbst mit dem Ort und den Menschen dort, mit meiner Arbeit und den Kollegen noch gar nicht abgeschlossen habe. Dass doch die Trauer übers Weggehen irgendwie noch vorrangig ist. Eine liebe Freundin hat mir vorgeschlagen, doch endlcih mal Bilder zu zeigen, damit ich selbst auch darüber reden und die Zeit dort vielleicht besser abschliessen kann. So denn – ich mache mich mal ans Bilderzusammensuchen und lade euch dann herzlich zum Schauen ein 🙂

Bis dahin –  ein Gruss von Kiana und mir- bei unserem Wochenendbesuch bei Omma Anna in Breinig!

spaziergang bei ommaanna

Bis bald udn ach ja- wir freuen uns übrigens immer über Besuch hier in Bonn!!! Das alleine Leben ist doch etwas …eintönig 🙂 Sollte der ein oder andere also Lust haben, mal vorbeizuschauen- Ihr seid herzlich willkommen!

Bis bald, Eure

Rebekka

 

 

 

 

Verfasst von: rebekkakiana | Januar 21, 2014

Angekommen!

Wir sind wieder da!

Nach einem Abschied wie er sich gehört- mit den besten Freundinnen bei einem Diner am Strand,

P1120449

nach einem langen Flug ohne Schlaf (9 Stunden und Kiana schafft es 8 davon hellwach zu bleiben!), interessanten Gesprächen, die der baldigen Aufklärung bedürfen (Ich: Kiana- jetzt ist ja Marieange – unsere Waschfrau-nicht mit uns ins Bonn- jetzt müssen wir allein die Wäsche waschen- in der Maschine. Kiana: Nicht schlimm Mama. Ich helfe dir. Ich: Weisst du denn noch wie das geht? Kiana: Ja. Wir brauchen einen grossen Bottich, tun da Wasser rein, dann Seife und dann waschen wir- so! Und machte mit den Händen aneinerreibende Bewegungen…Ja, Kulturschock andersrum jetzt) und einer ungeplanten Zugfahr nach Bonn mit vier Koffern haben wir es geschafft- wir waren zu Hause in Bonn!

Mit Nieselregen und 3 Grad Kälte war die Ankunft etwas…gedämpft 🙂 Aber dann kam die Omma und alles war vergessen- ein Tisch voller Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke erwartete uns- leckeres Sauerkraut, Joghurt, frische Äpfel, Milka-Nuss- Schokolade…hm…:-) das war toll!! Ich war erstmal komplett abgeschrieben, was mir ein paar Stunden Schlaf verschaffte- Kiana war weiterhin fit…und schlief danach nur zwei STunden- ich weiss nicht, wie sie das schafft…

Ausserdem redet sie nur Französisch mit der Omma- was interessant ist, da ich mit ihr das ganze letzte halbe Jahr fast konstant Deutsch gredet habe und sie mit mir auch – und auch mit anderen Deutschen- aber irgendwie scheint das jetzt nicht zu funktionieren. Vermutlich zu viele andere Einflüsse, die vom Hirn gerade priorität behandelt werden. Sie hat, wie auch im Sommer schon, ihr Zimmer bedächtig neu erkundet – und uns immer wieder alte, neue Spielsachen gezeigt. Die neuen Winterschuhe, die ich ihr über ebay vorher schon bestellt hatte- ignorierte sie, wobei sie Schuhe ansonsten liebt. Aber diese nicht. Socken und Haussschuhe wurden auch direkt ausgezogen- zu seltsam wohl das Gefühl, in der Wohnung NICHT barfuss zu laufen. Einziger möglicher Kompromiss: Socken und dann Sandalen an…hm 🙂

Im Bett ganz ähnlich. Schon in Haiti schlief sie nie mit Bettdecke – heute Abend auch hier. Und hier der einzige Kompromiss: Zumindest die Füsse sollen unter die Decke und dann, wenn sie schläft- kommt auch der Rest drunter…Bin sehr gespannt, wie die nächsten Tage werden 🙂

Hier eine kleine Erinnerung von damals- und ein Gruss von heute:

P1020452 P1020455 P1120508 P1120511

Bei mir selbst ist so ein komisches Gefühl vorrangig…die letzten Monate waren zwar stressig auf der Arbeit, aber dazu auch sehr interessant. Mein Team hat sich dadurchgefestigt udn das war schön. Kiana hat sich im Kindergarten so wohl gefühlt- meine Freundschaft zu Mathilde ist gewachsen- und ja, nach eineinhalb Jahren ist es dann eben doch nicht nur ein Job- sondern auch ein Leben, das ich mir dort aufgebaut habe. Und das zu verlassen ist schmerzhaft, hinterlässt Tränen und Trauer. So war der Flug denn auch recht wässrig…

Ich freue mich hier, euch von meinem Leben da unten zu erzählen. Ich freue mich aber besonderen, meine guten Freudne hier wiederzutreffen- und mit ihnen die innigen Umarmungen, die ich in vielen Momenten zu schmerzlich vermisst habe- die spontanen Telefonanrufe….

Bald habe ich auch hoffentlich wieder ein Handy 🙂 Dann geht auch das SMS Schreiben wieder schneller! Oder- ach ja- das whatsappen! 🙂

Bis bald!!!

Eure Rebekka -jetzt in Bonn

Verfasst von: rebekkakiana | Januar 20, 2014

Heimreise

Ihr Lieben!

Eine kurze Nachricht aus Santo Domingo- unserem letzten Stopp ehe wir morgen in Frankfurt ankommen.

Der Abschied aus Haiti war sehr tränenreich meinerseits- fröhlichtraurig Kianaseits. Die vielen Abschiede hatte sie dann irgendwann satt- so richtig verstanden hat sie die Abreise auch nicht. Konstant sagte sie: Ich will nach Bonn- zu Omma und Susanne und Cecilia und Maja und Anugrah und und und und…aber dann will ich wieder zurück nach Haiti!! 🙂

Schön war, dass uns unser Mitbewohner Patrick bis zum Flughafen begleitet hat und wir sogar noch zwei Stunden mit Laura hatten, einer Mitbewohnerin, die bis vor einem Monat auch noch mit in unserem Haus gewohnt hat und jetzt wieder zurück in Haiti ist.

Den Flug- ihren 13 jetzt!- hat Kiana meisterhaft gemeistert und wie eine „Alte“ Kaugummi gekaut um den Druck in den Ohren loszuwerden.

Jetzt sind wir in einem tollen Hotel in Santo Domingo- Hotel Atarazana- und geniessen Schwarzbrot, Schinken und Käse- ehe wir in ein paar Stunden in den Flieger nach Frankfurt steigen udn dann Dienstag Morgen um sechs MamaOmma in die Arme fallen.

Kianas und mein Gespräch heute Morgen war übrigens höchst interessant.

Ich: Kiana- in Deutschland ist es recht kalt- und es nieselt udn regnet vielleicht. Aber dann kannst du deine Gummistiefel anziehen und mit einem Regenschirm spazierengehen.

Kiana: Regenschirm? Was ist das nochmal?

🙂

Es ging weiter.

Ich: Und dann ziehst du einen Schal an…

Kiana: Was ist das nochmal?

Und Handschuhe….

Handschuhe?

Ja, die warmen Dinger die du über deine Hände ziehst damit es wärmer ist?

Kiana: Sind die aus Gummi so wie die von der Krankenschwester die mir immer Blut abnimmt?…

In diesem Sinne- es wird spannend- auch in Deutschland!

Bis bald- ich freu mcih auf euch!
Rebekka

Older Posts »

Kategorien